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Was eigentlich sind Lesenächte? Wenn es darum geht, dass Kindern bzw. Schülerinnen und Schülern zu später Stunde vorgelesen wird, so kann wohl (hoffentlich!) jede Familie auf ihre eigenen Lesenächte verweisen. Und natürlich wurde nachts immer schon bei Fahrten und Schullandheimaufenthalten vorgelesen - vorzugsweise Grusel- und Gespenstergeschichten. Der Begriff Lesenacht wird hier jedoch für eine Form der Leseförderung verwendet, die Schulklassen gezielt und bewusst mit einem breiten Angebot an Büchern konfrontiert. Das kann im Klassenzimmer, in der Schulbibliothek (soweit es sie an Schulen in Deutschland gibt) und in der öffentlichen Bibliothek erfolgen. Diese Form der Leseförderung kann, soweit sie von Schulen initiiert wird, als Möglichkeit eines offenen Literaturunterrichts angesehen werden. Das Ziel ist ein freies, selbstständiges, selbstverantwortliches Lesen, das allerdings durch ein gemeinsames Programm umrahmt oder durchbrochen werden darf. Durch Lesenächte soll das Erlebnis des nicht durch Zeitvorgaben und vielfältige Ablenkungen beschränkten Lesens ermöglicht werden. Die Gruppensituation ist dabei, auch wenn während großer Phasen der Lesenacht individuell gelesen wird, eine wichtige Hilfe. Ein anderer Aspekt ist, dass Lesenächte eine intensive Begegnung mit dem Buchbestand einer Bibliothek erlauben, viel intensiver, als es unter dem Zeitdruck der Alltagssituation möglich wäre. Lesenächte dieser Art sind im deutschsprachigen Raum vor 1988 bisher nur aus der Berliner John-F.-Kennedy-Schule bekannt geworden. Dort fanden sie unter der Verantwortung der Lehrerin und Bibliothekarin Gretel Schürer statt, die ihre Erfahrungen auf verschiedenen Veranstaltungen vorgestellt hat. 1988 gab es dann eine erste Lesenacht außerhalb Berlins mit Schülerinnen und Schülern einer 5. Klasse der Freisinger Paul-Gerhardt-Volksschule unter Leitung von Jörg Knobloch. Im gleichen Jahr veröffentlichte Knobloch darüber einen ersten Bericht im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (Nr. 77 v. 27.9.1988, S. 2782 f.). Dieser Beitrag stieß auf großes Interesse und führte dazu, dass bald in weiteren Schulen und in Bibliotheken Lesenächte mit Schülern durchgeführt wurden. In kürzester Zeit entwickelte sich geradezu eine Lesenacht-Bewegung, die zu zahlreichen weiteren Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften, in der Fachliteratur und schließlich auch in den Lehrplänen führte - leider aber nur wenig über die Existenz von Schulbibliotheken als wichtige Rahmenbedingung dieser Maßnahmen aussagt. Als zentrale Publikationen zur Lesenacht können zwei Materialienhefte aus dem AOL Verlag angesehen werden, die für Grundschule und Bibliothek bzw. Sekundarstufe und Bibliothek zentrale Informationen, Literaturhinweise und unterschiedlichste Vorschläge zur Durchführung von Lesenächten anbieten:
Drei noch nicht nach Grundschule und Sekundarstufe aufgeteilte Auflagen waren bereits in den Jahren 1998, 1999 und 2000 im AOL Verlag erschienen. Für die Erstausgabe wurde der Verfasser 1998 im Rahmen der AusLese durch die Stiftung Lesen ausgezeichnet. |